grafeneckart
Zu den markantesten Objekten der Würzburger Stadtsilhouette gehört der als "Grafeneckart" bekannte Bau des historischen Rathauses mit dem unübersehbar ins hohe Mittelalter verweisenden Geschlechterturm, welcher auch heute noch Teil des Rathauskomplexes ist.
Im hohen Mittelalter entstand in Würzburg eine überaus starke Bürgerschaft, welche sich nach und nach als Gegengewicht zur weltlichen Herrschaft der Fürstbischöfe etablierte. Insbesondere nach der Verleihung der der sogenannten "Güldenen Freiheit" an die Fürstbischöfe durch Friedrich Barbarossa, welche diesen über schon längst bestehende Rechte hinaus den Titel und die Macht eines fränkischen Herzogs zugestand, entfernten sich Bürgerschaft und Bischof voneinander. Das ging soweit, dass der Bischof (Hermann v. Lobdeburg) seinen Sitz 1253 auf die Festung verlegte und sich in den folgenden Jahrhunderten z.T. gar nicht ohne ausreichenden Schutz in der Stadt sehen lassen konnte. 1256 wird erstmalig der Rat der Bürgerschaft erwähnt. Und dieser Rat erwirbt dann also im Jahr 1316 den romanischen Geschlechterturm "Grafeneckart" in unmittelbarer Nähe zur Mainbrücke zusammen mit dem "Grünbaum" genannten Seitenflügel, in dem sich der spätromanische "Wenzelssaal" befindet, welcher dem Rat fortan als Sitzungssaal diente. Es handelt sich dabei um einen der wirklich wenigen erhaltenen, reinen Profansäle der Romanik. Der Turm mit der sogenannten "Türmerstube" ist 55 Meter hoch und von dort aus konnte das Geschehen im ganzen Stadtgebiet überblickt und natürlich auch Alarm gegeben werden, wenn es z.B. irgendwo brannte oder sich wieder einmal Ärger mit den 'Bischöflichen' anbahnte.
Ende des 16. Jahrhunderts gibt es eine schriftliche Erwähnung, wie Andreas Müller eine Linde auf die Südfassade des Rathauses gemalt hat. Das Rathausgebäude wurde früher nicht nur Hof zum Grafeneckart, sondern auch Hof zum Grünen Baum genannt. Dies verdankte es dem Baum auf dem alten öffentlichen Gerichtsplatz, an dem das Gebäude, in dem auch städtische Gerichte tagten, stand. Als die alte Linde endgültig umstürzte, zog man aus einem Trieb des alten Baums einen jungen Baum, der vermutlich bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts bestand. Bis zu diesem Zeitpunkt stand die mittelalterliche Linde auf dem heutigen Platz zum Grafeneckart, der bis ins beginnende 17.Jahrhundert als Tagesmarkt genutzt wurde. Er ist ein Hausnamenszeichen – Hof zum Grünen Baum – und eine historische Erinnerung – die Erinnerung an die frühere Gerichtslinde und den uralten Gerichtsplatz an der Furt durch den Main.
Quelle: Mein Würzburg, Würzburg erleben